Oft werden aus Platzmangel oder "Ordnungssinn" unmodern gewordene oder von der älteren Generation übernommene Gegenstände und Dokumente achtlos weggeworfen. Wertvolle Zeitzeugnisse gehen damit für uns und unsere Nachfahren verloren.

Doch gibt es überall einige Bürgerinnen und Bürger, so auch in Oppin und seinem Ortsteil Maschwitz, die sich seit Jahren mit der Geschichte ihres Heimatortes befassen. Sie bewahren Aufzeichnungen, Dokumente, Bildmaterial und Gegenstände auf und zeichnen mündliche Überlieferungen auf, die sie aus den Erzählungen ihrer Eltern und Großeltern im Gedächtnis behalten haben. Und sicherlich hat mancher dabei gedacht: "Wenn ich mal Rentner bin, werde ich alles fein säuberlich ordnen!". Denn neben einem anstrengenden Berufsleben bedarf es schon des Idealismus, des Verständnisses des Partners und des großen Einsatzes der eigenen Kraft, um sich einer solchen Aufgabe voll zu widmen.
Der nahende Termin der für das Jahr 2002 anstehenden 1050 Jahrfeier gab im Gemeinderat Oppins Ende 1999 den Anlass, an geeignete Bürgerinnen und Bürger wegen Mithilfe bei der Aufarbeitung der Ortsgeschichte heranzutreten. Eine Festschrift sollte erstellt und die Jubiläumsfeier ansprechend gestaltet werden. So kam es im Januar 2000 zur Tätigkeitsvereinbarung zwischen den Gemeinderatsmitglied und Hobbyforscher Peter Wenzel und dem Vorruheständler Heinz Graupner. Im Hinblick auf die 1050 Jahrfeier wurde jedoch bald ersichtlich, dass diese Initiativen nicht ausreichten, um in ganzen Umfang die Oppiner und Maschwitzer Ortsgeschichte aufzuarbeiten.
Als Gründungsdatum des Vereins wurde bewusst der 26.Juni 2000 gewählt, da genau an diesem Tag vor 1048 Jahren (im Jahre 952) Oppin erstmals in einer wegen eines Gebietstausches ausgefertigten Urkunde von Otto I. Erwähnung fand. Damals hatter der König die "marca upina" mit weiteren Nachbarorten des Gaues Neletici gegen Ländereien in Thüringen getauscht und sie seinem Vasallen Billung gegeben. Die erste Besiedlung liegt jedoch, wie Bodenfunde und luftbildarchäologische Aufnahmen beweisen, viel weiter zurück. Die o.g. Gründungsversammlung beinhaltete im Wesentlichen die Beschlussfassung über die Gründung, die Wahl des Vorstandes und Organisatorisches. Infolge seiner gesetzen Hauptaufgabe, der Aufarbeitung der Ortsgeschichte, gab sich der gemeinnützige Verein den Namen "Heimatgeschichtsverein Oppin e.V.". In seiner Satzung heißt es im §2: "Der Verein setzt sich für die Erforschung und Verbreitung der Heimat- und Regionalgeschichte, die Sammlung von Dokumenten und Sachzeugen, die Führung der Ortschronik ein".
Zieht man heute Bilanz über das seit der Gründung Geleistete, ist festzustellen, dass es zunächst doch erhebliche Sorgen gab. Es existierte sehr wenig Literatur und Dokumentationen zu Oppin, noch weniger zum 1950 eingemeindeten Ortsteil Maschwitz. Die Chroniken beider Orte sind leider nicht auffindbar. Unter dem Suchwort "Oppin" fanden sich in der Universitäts- und Landesbibliothek Sachsen - Anhalt (Halle) lediglich drei Eintragungen, darunter eine Diplomarbeit. Mittlerweile konnten durch Besuche weiterer Bibliotheken und Archive, durch Hinweise in Gesprächen mit Bürgerinnen und Bürger sowie ehmaligen Oppinern, dem emeritierten Pfarrer Ilse, aber auch durch den Gedankenaustausch im Freundes- und Bekanntenkreis über 40 Hinweise zur Geschichte Oppins in Büchern, Broschüren, Heimatkalendern usw. zusammengetragen werden.
Vor der 1050 Jahrfeier lag der Schwerpunkt der Vereinstätigkeit in der Vorbereitung der geplanten Ausstellung "1050 Jahre Oppin - geschichtlicher Abriss". Dazu wurden zehn Themenkreise formuliert, die von der Vorgeschichte über die Gründung des Erzstiftes Magdeburg bis hin zur Frage des mittelalterlichen Adelssitzes und Schlosses im früheren Burgwardort Oppin reichten. Auch Schule und Kirche, Mühlen, Gasthöfe, Schmieden und Stellmachereien, die altpreußische Zeit, die Industrialisierung, das Alltagsleben auf dem Dorfe, dasd 20. Jahrhundert mit den beiden Weltkriegen und der Zeitraum von 1990 bis heute sollten thematisch dargestellt werden. Die Ausstellung war noch durch Sachzeugen, Schulchroniken sowie durch alte landwirtschaftliche Maschinen und Geräte ergänzt worden. Es bedurfte während der insgesamt nur kurzen Vorbereitungsphase eines hohen zeitlichen Aufwandes der einzelnen Beteiligten an Archivarbeit, Studium der Heimatliteratur usw. , um Texte und Bildmaterial zusammenzutragen und aufzubereiten .
Die heutige Arbeit des Heimatgeschichtsvereins hat zum Ziel: die Aufarbeitung der zurückliegenden und Festhalten der gegenwärtigen Ortsgeschichte sowie Präsentation der Ergebnisse und Aktivitäten.
Was wir an Aktivitäten erbracht und gezeigt haben - oft mit Unterstützung der Kirchengemeinde - und weiterhin erreichen wollen sei hier nur kurz erwähnt.
(Ausstellung mit 30 Tafeln und Vitrinen zur 1050-Jahrfeier, nachfolgend weitere 4 Ausstellungen, Erarbeitung der Festschrift und der Postkarte, interessante öffentliche und vereinsinterne Vorträge, öffentliche und vereinsinterne Geschichtsausfahrten, über 80 monatliche Mitgliederversammlungen, Kontaktaufnahme zu Vereinen, Einrichtungen und zu Heimat- und Kulturvereinen in Nachbargemeinden, Bastel – später Druckenlassen von Oppin-Kalendern (Maschwitz einbezogen), Druck der Schriftenreihe „Oppin im Wandel der Zeiten“ und des Oppiner Bilderbogens, Einrichtung des Heimatstübchens und einer Homepage, Angebot kultureller Veranstaltungen wie Konzerte, Weihnachtsbasar, Beteiligung an Parkfesten und Maschwitzer Bauernmarkt, Auszeichnung mit der Ehrenmitgliedschaft für Gottfried Sehmsdorf)
Eine wertvolle Unterstützung beim Start bot uns Tino Schölz, Sohn der Wirtsleute unserer Vereinsgaststätte, der damals noch Geschichtsstudent war.
Herrn Dirk Höhne aus Halle, der sich in seiner Dissertation mit den romanischen Kirchen befasste, so auch mit unserer, sahen wir einige Jahre nach der 1050-Jahrfeier wieder bei der Ausstellung über die Wiedereinweihung der Kirche. Er war erstaunt und gleichzeitig auch erfreut, dass unser Verein noch besteht, wo sich solche doch oft nach dem Höhepunkt wieder auflösen.
In der Gemeinde, bei den Vereinen und Einrichtungen und wohl auch in der engeren Umgebung sowie beim Landesheimatbund sind wir inzwischen kein unbeschriebenes Blatt mehr.
Die Mitgliederzahl wuchs trotz Abgängen auf 21 und ist seit Jahren konstant, d.h. genau genommen sind es 20 Mitglieder und ein Ehrenmitglied. Leider konnten wir noch kein Mitglied aus Maschwitz und jüngeren Nachwuchs gewinnen. Bis auf 2 Ausnahmen sind wir ein 50+ - Verein, im Durchschnitt 61,7 Jahre.
Unser Verein

